„Es ist vielleicht nicht überflüssig, darauf hinzuweisen, daß die Erfindung der Buchdruckerkunst dann von zweifelhaftem Nutzen ist, wenn sie nicht von der Sicherung der Meinungsfreiheit begleitet wird. Lüge läßt sich ebenso leicht drucken wie Wahrheit und ebenso leicht verbreiten. Es hilft dem Menschen herzlich wenig, wenn er lesen kann, aber das ihm Vorgelegte wiederspruchslos hinzunehmen hat. Nur wo es Rede- und Meinungsfreiheit gibt, kann weite Verbreitung des gedruckten Wortes Überlegung und Denken steigern.
… In unserer Zeit ist das Problem noch brennender geworden, da es heute noch mächtigere Mittel der Massenbeeinflussung gibt. Seit der Erfindung der drahtlosen Telegraphie, des Rundfunks und Fernsehens ist es noch wichtiger geworden, unablässig auf der Hut zu sein, da ohne Wachsamkeit die Freiheit leicht ins Wanken gerät.“

Bertrand Russell
(Nobelpreis für Literatur 1950)

aus: „Denker des Abendlandes“ – Eine Geschichte der Philosophie

„Mein Vater starb, als ich drei Jahre alt war. Eine der wenigen deutlichen Erinnerungen, die ich an ihn habe, ist die, dass er mich im Arm hält, während er mir die Bücher seiner Bibliothek zeigt. Ich bin mit Achtung vor Büchern aufgewachsen. Sehr früh begann die Patina eines Bucheinbandes einen Reiz auf mich auszuüben, der Geruch, der von einem eben geöffneten Buch ausströmte, reizte mich, die Textur des Papiers, rauh, glänzend oder weich wie Flaum, die Bilder, die Photographien, die Illustrationen in gotischem oder Gallo-Garamond-Druck.«

„Vor allem an langen Winterabenden war das Vorlesen eine Tradition. Kindern vorzulesen bleibt das beste Heilmittel gegen das Fernsehen. Aus der gefühlsmäßigen Beziehung zwischen Stimme und Ohr erwächst ein Geheimnis aus Komplizenschaft und Konspiration. Je weiter der Text dem Alter des Kindes voraus ist, desto stärker erzeugt er durch seine noch unverständliche Sprache eine geheimnisvolle Stimmung. Mit dem Fernsehen und den Comics haben die Kinder immer weniger die Möglichkeit, ihre eigene Phantasie zu entwickeln. Und den Erwachsenen geht es genau so: die Phantasie ist vom Aussterben bedroht.«

Tomi Ungerer– Photographie 1960-1990;
Kapitel »Meine Bücher« – Edition Braus

»Man könnte glauben, die Ereignisse geschähen und glitten … automatisch in die Zeitung hinüber, von der Wirklichkeit in die Presse, von der Realität in die Wiedergabe. Das ist nicht richtig. Weil die Reproduktion der Wirklichkeit unendlich wichtiger ist als das Geschehnis selbst, so ist die Wirklichkeit seit langem bemüht, sich die Presse vorzuführen, wie sie gern möchte, dass sie aussehe. Der Nachrichtendienst ist das komplizierteste Lügengewebe, das je erfunden worden ist. Weit entfernt, etwa die Nachrichten von Ereignissen möglichst so wiederzugeben, wie sie geschehen sind, die Wiedergabe also möglichst der Wahrheit anzunähern, ist das Bestreben aller Fachleute darauf gerichtet, die Wieder-gabe organisatorisch und pressetechnisch so zu gestalten, dass man sie für die Wahrheit ansieht und dass dabei doch die vielen Interessen von Auftraggebern, Industrien und Parteien gewahrt bleiben. Der Redakteur ist durchdrungen von dem Axiom, dass man kein Ereignis so, wie es geschehen ist, vermelden könne, und deshalb kommt ihm gar nicht mehr zum Bewußtsein, wie er die Wirklichkeit verfälscht …«

Kurt Tucholsky als Ignaz Wrobel
am 13. Oktober 1921 in der Weltbühne (Nr. 41, Seite 373).

„Ernie, ist dir klar, was wir in diesem Film machen? Das Publikum ist wie eine gewaltige Orgel, auf der du und ich spielen. In einem Augenblick spielen wir diese Note und bekommen diese Reaktion, und dann spielen wir jenen Akkord, und das Publikum reagiert auf jene Art. Und eines Tages werden wir noch nicht einmal mehr einen Film dafür zu machen brau-chen – in ihre Gehirne werden Elektroden eingepflanzt sein, und wir brauchen nur noch verschiedene Knöpfe zu drücken, und sie werden ›ooooh‹ und ›aaah‹ machen, und wir werden ihnen einen Schrecken einjagen und sie zum Lachen bringen. Wird das nicht wunderbar sein?«

Spoto, Donald: Alfred Hitchcock.
Die dunkle Seite des Genies. München 1993, Seite 485

„Fast durchweg heißt es, die Gelehrten ergingen sich in Paradoxien, wenn sie, betroffen ob eines historischen Irrtums, diesen zu berichtigen suchen; allein für jeden, der sich gründlich mit der neueren Geschichte befaßt, steht fest, daß die Historiker privilegierte Lügner sind, die ihre Federn populären Anschauungen leihen, gerade wie heutzutage die Mehrzahl der Zeitungen nur die Meinung ihrer Leser wiedergibt.«

Honoré de Balzac – ›Katharina von Medici‹

»Typische Mittel, denen sich der moderne Massenstaat bedient, um Macht über die Menschen zu gewinnen, sind der unpersönliche bürokratische Apparat, die unpersönliche Form der Geschmacksbildung und unpersönliche Informationsquellen. Hinter vorgeschützter Objektivität und angeblichem Dienst an der Gemeinschaft verbirgt sich in Wahrheit die Tatsache, dass kein Einzelner die Verantwortung für die Beeinflussung durch diese Mittel übernimmt. Alle diese Beeinflussungen bedienen sich der Überredungskraft der Massenmedien, die dem Menschen weismacht, er selbst verlange nach dem und brauche das, was diese Propaganda ihm aufschwätzt. Statt nach Genüssen zu suchen, die seiner Persönlichkeit und seinen Umständen entsprechen, nimmt der Mensch hin, was diejenigen ihm bieten, die am Hebel des Produktionsprozesses oder der Massenmedien sitzen und die Massen gängeln.«

Bruno Bettelheim »Aufstand gegen die Masse«,
Fischer,
Reihe Geist und Psyche, 1989 – die amerikanische Originalausgabe erschien 1960 mit dem Titel »The informed heart; Autonomy in a Mass Age« im Verlag the Free Press of Glencoe/III.)

Bruno Bettelheim (geb. 28. August 1903 in Wien; gest. 13. März 1990 in Silver Spring, Maryland, USA) war ein US-amerikanischer Psychoanalytiker und Kinderpsychologe österreichischer Abstammung. 1938 legte er die Dissertation »Das Problem des Naturschönen und die moderne Ästhetik« vor, die sich mit Kants Philosophie befasste. Noch im selben Jahr wurde Bettelheim als Jude im KZ Dachau interniert und später in das KZ Buchenwald überführt. In Buchenwald freundete er sich mit Ernst Federn – Sohn des bekannten Wiener Psychoanalytikers Paul Federn – an. Gemeinsam entwickelten sie als Überlebensstrategie die Grundlagen einer Psychologie des Terrors.

»Nie ist ein Volk von seinen Machthabern grausamer verhöhnt worden. Nicht bloß, daß jene Bundestagsordonnanzen voraussetzen, wir ließen uns alles gefallen: man möchte uns dabei noch einreden, es geschehe uns ja eigentlich gar kein Leid oder Unrecht. Wenn ihr aber auch mit Zuversicht auf knechtische Unterwürfigkeit rechnen durftet: so hattet ihr doch kein Recht uns für Dummköpfe zu halten. Eine Handvoll Junker, die nichts gelernt haben als ein bißchen Roßtäuscherei, Volteschlagen, Becherspiel oder sonstig plumpe Schelmenkünste, womit man höchstens nur Bauern auf Jahrmärkten übertöl-peln kann: diese wähnen damit ein ganzes Volk betören zu können, und zwar ein Volk, welches das Pulver erfunden hat und die Buchdruckerei und die ›Kritik der reinen Vernunft‹. Diese unverdiente Beleidigung, daß ihr uns für noch dümmer gehalten als ihr selbst seid, und euch einbildet uns täuschen zu können, das ist die schlimmere Beleidigung, die ihr uns zugefügt in Gegenwart der umstehenden Völker.«

Heinrich Heine
In seiner »Vorrede« zu der Artikelserie »Französische Zustände«, der Geburtsstunde des politischen Journalismus … (ursprünglich von der preußischen Zensur gestrichene Passage)

»Die Narren der modernen Kultur. Die Narren der mittelalterlichen Höfe entsprechen unseren Feuilletonisten; es ist dieselbe Gattung Mensch, halb-vernünftig, witzig, übertrieben, albern, mitunter nur dazu da, das Pathos der Stimmung durch Einfälle, durch Geschwätz zu mildern und den allzu schweren, feierlichen Glockenklang großer Ereignisse durch Geschrei zu übertäuben; ehemals im Dienste der Fürsten und Adligen, jetzt im Dienste von Parteien (wie in Partei-Sinn und Partei-Zucht ein guter Teil der alten Untertänigkeit im Verkehr des Volkes mit dem Fürsten jetzt noch fortlebt). Der ganze moderne Literatenstand steht aber den Feuilletonisten sehr nahe, es sind die »Narren der modernen Kultur«, welche man milder beurteilt, wenn man sie als nicht ganz zurechnungsfähig nimmt. Schriftsteller als Lebensberuf zu betrachten, sollte billigerweise als eine Torheit gelten.«

Friedrich Nietzsche
»Menschliches, Allzumenschliches« – 4. Hauptstück

 »Das Fernsehen nutzt die angeborene Neugier und Schaulust des Menschen, die beim Erwachsenen als Reflex weiterlebt, den er aus Bequemlichkeit und Gewohnheit nicht unterdrücken kann oder will. Um diesen Reflex bzw. diese innere (permanente) Bereitschaft buhlen alle Formate, Sendungen, Boulevards …«

Jo Reichertz – »Die frohe Botschaft des Fernsehens«,
Seite 34, zum Thema Neugier und Schaulust

»Die Massen sind niemals kriegslüstern, solange sie nicht durch Propaganda vergiftet werden. Wir müssen sie gegen Propaganda immunisieren.«

Albert Einstein
»Für einen militanten Pazifismus«

»Die politischen Gefahren, die mit der üblichen Nutzung des Fernsehens verbunden sind, kommen daher, daß es erzeugen kann, was Literaturkritiker den effet du réel nennen, den Wirklichkeitseffekt: Es kann zeigen und dadurch erreichen, daß man glaubt, was man sieht. Diese Macht, etwas vor Augen zu führen, hat mobilisierende Wirkungen. Sie kann Gedanken oder Vorstellungen ins Leben rufen, aber auch Bevölkerungsgruppen konstituieren.« »Das Fernsehen entscheidet zunehmend darüber, wer und was sozial und politisch existiert.«

Pierre Bourdieu
»Über das Fernsehen«, Seite 27/28

»… wobei wir hier dem Irrtum vorbeugen müssen, dass die Präsentation wissenschaftlicher Forschung selbst schon »wissenschaftlich« sei. Die Illusion des Fernsehzuschauers, etwas gelernt zu haben, liegt immer in der mehr oder weniger suggestiven Animation des Senders begründet, sich also mit einer »Präsentation von Wissenschaft« beschäftigt zu haben, nicht mit der Wissenschaft als solcher.«

Kommentar zu Jo Reichertz »Die frohe Botschaft des Fernsehens«, Seite 77

» … und daraus zog man die Lehre, dass Propaganda, wenn sie von den gebildeten Schichten unterstützt und wenn keinerlei abweichende Meinung erlaubt wird, eine große Wirkung hat.«

»… die Bürger demokratischer Gesellschaften sollten Kurse für geistige Selbstverteidigung besuchen, um sich gegen Manipulation und Kontrolle wehren zu können …«

Noam Chomsky: Mediacontrol – Von Macht und Medien.
2. Auflage. Europa Verlag, Hamburg Mai 2003

»The Office shall work with appropriate agencies to coordinate the creation of temporary teams of communicators for short-term placement in areas of high global interest and media attention as determined by the Office.«

http://www.whitehouse.gov/news/releases/2003/01/print/20030121-3. hmtl, 28.08.2003.

»In der Form einer endlosen, verschiedene Einzelrituale verklammernden Liturgie offeriert das Fernsehen eine für den common sense zugängliche Kosmologie, die eine eindeutig religiöse Färbung aufweist …«

Günter Thomas, Dr. theol. u. Th. M. (Tübingen, Princeton – USA, Heidelberg), »Medien–Ritual–Religion« – Mit der Entfaltung und Begründung dieser These greift der Band ein Desiderat der medien- und kommunikationstheoretischen Diskussion auf. Heidelberg, Univ., Diss., 1996, erste Auflage 1998

»Und nicht vergessen: Abschalten!«

Peter Lustig, Löwenzahn

Freedom of speech means to say to a man what he does not want to hear.
Meinungsfreiheit bedeutet, jemandem etwas sagen zu können, was er nicht hören will.

George Orwell

„Mein Herr, ich teile Ihre Meinung nicht, aber ich würde mein Leben dafür einsetzen, daß Sie sie äußern dürfen.“

 Voltaire

Tunkan